Inzwischen haben wir ein gutes Stueck Strecke in Iran zurueckgelegt. Wir halten uns zur Zeit in Yazd auf und steuern langsam, aber sicher auf den indischen Subkontinent zu.
Die klimatischen Verhaeltnisse haben sich ebenfalls geaendert: zunaechst mussten wir uns an das fuer uns unertraeglich feuchtheisse Klima an der Kueste des Kaspischen Meeres gewoehnen, anschliessend wurden wir mit angenehm warmen Temperaturen im Alborzgebirge verwoehnt. Jetzt sind wir gerade dabei, uns auf das heisse, aber trockene Wuestenklima einzustellen.
Die Badefreuden am Kaspischen Meer haben wir nicht genossen, denn in Iran ist der Badestrand aufgeteilt in eine Sektion, die nur Frauen zugaenglich ist, und eine Sektion, die den Maennern vorbehalten bleibt. Beide Sektionen sind getrennt durch hohe Vorhaenge, die weit ins Meer hineinragen. Bademeister achten streng darauf, dass sich Maennlein und Weiblein nicht in die Quere kommen. Das ist Badespass nach iranischem Verstaendnis, aber nicht wirklich was fuer uns.
Vom Kaspischen Meer ging es dann ueber den zentralen Alborz in Richtung Tehran. Auf halber Strecke nach Tehran sind wir am Damavand vorbeigekommen, mit 5671 Metern der hoechste Berg in Iran.
Tehran haben wir dann aber doch grosszuegig umfahren. Nachdem wir schon einiges an Verkehrschaos in Iran erlebt hatten, waren wir nicht mehr sonderlich scharf darauf, den Verkehrskollaps der 10-Millionen-Stadt zu erleben. Stattdessen sind wir weiter nach Isfahan gefahren. Mit 2 Millionen Einwohnern zwar vergleichsweise klein, aber sehr sehenswert.
In Isfahan gibt es dann doch tatsaechlich so etwas wie internationalen Tourismus. Zumindest im Ansatz. Jedenfalls sind wir ganz ueberrascht, als uns beim Einchecken im Hotel eine Horde japanischer Touristen entgegenstolpert. Isfahan strahlt in der Tat ein wenig internationalen Flair aus. Die Stadt wirkt nicht so konservativ wie andere Staedte, die wir bisher besucht haben. Zwar tragen auch hier alle Frauen Kopftuch und ueberwiegend schwarz. Hin und wieder sieht man dann aber doch einen bunten Schal, aus dem keck eine Haarstraehne hervorlugt.
Isfahan gefaellt uns so gut, dass wir hier zwei Tage verbringen, ueber den Basar schlendern, die ersten Souvenirs kaufen, die Sehenswuerdigkeiten bestaunen.
Damit ist allerdings gleichzeitig die Entscheidung gefallen, das Lehrerehepaar, das wir damals in Istanbul kennengelernt haben, nicht zu besuchen. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber Mashhad liegt im aeussersten Nordosten Irans und damit ueberhaupt nicht auf unserer Route. Wir muessten also einen grossen Umweg fahren, um nach Mashhad zu gelangen. Und bei einem Land, das mehr als viermal so gross wie Deutschland ist, kann man sich vorstellen, dass dieser Umweg locker vier Tage ausmacht. Aber da wir ja inzwischen richtige Iran-Fans geworden sind, war dieser Aufenthalt in Iran bestimmt nicht unser letzter.
Gestern (Sonntag) sind wir von Isfahan weiter ueber die Kavir-Wueste ins rund 300 km entfernte Yazd gefahren.
Eigentlich wollten wir uns in Yazd nur kurz aufhalten. Aber auch diese Stadt hat uns auf den ersten Blick so gut gefallen, dass wir noch einen Tag rangehaengt haben. Ausserdem sind wir hier in dem bisher schoensten Hotel unserer Reise untergebracht. Der Tourguide, von dem wir den Tipp erhalten haben, hat wirklich nicht uebertrieben.
Besonders sehenswert ist die historische Altstadt von Yazd. Die Altstadt besteht fast ausschliesslich aus Lehmhaeusern in einem engen Gewirr aus Gassen, in denen man sich leicht verirren kann. Das Gassengewirr wurde uebrigens von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklaert.
Und hier wieder Iran in ein paar Stichworten:
Iran und Gastfreundlichkeit: Den Eindruck, den wir in den ersten paar Tagen gewonnen haben, hat sich manifestiert. Die Iraner sind ein unglaublich offenes und hilfsbereites Volk. Nach unseren Erfahrungen kann man wirklich bedenkenlos nach Iran reisen. Ein netter Iraner traf die Sache auf den Punkt: “It is the government, not the people”. Damit erklaert er den schlechten Ruf Irans. Die Iraner freuen sich ueber jedes fremde Gesicht. Es ist schon ab und an vorgekommen, dass iranische Autofahrer am Strassenrand anhielten, wenn sie uns gesehen haben, auf uns zukamen und uns mit den Worten “Welcome to Iran” und “It is good to see you in our country” begruesst haben. Das Interesse an uns ist generell gross. Je nach Englischlevel werden wir mit sehr einfachen, aber auch mit schwierigeren Fragen konfrontiert. Und hier die Rangliste der am haeufig gestelltesten Fragen:
1. Where are you from?
2. What is your name?
3. What is your profession?
4. Are you married?
Wenn das Englischlevel des Fragenden hoeher ist, dann kommen meist noch folgende Fragen hinzu:
5. How much is the motorbike?
6. Which cities have you visited?
Fuer Iraner mit sehr hohem Englischlevel geht’s dann zur Sache:
7. What do you think of Iran?
8. What is the opinion of Iran in Germany?
Obwohl wir diese Fragen schon zigmal gestellt bekommen haben, sind wir nicht muede, sie zu beantworten, denn wir haben dadurch immer nette Begegnungen mit den Iranern.
Iraner und Fotomotive: Inzwischen ist unser kleines Team auch bei den Iranern ein beliebtes Fotomotiv. Auch hier haben wir inzwischen eine Rangliste erstellt:
Platz 1der beliebtesten Fotomotive: Die BMW mit Torsten und Monika
Platz 2 der beliebtesten Fotomotive: Die BMW ohne Torsten und Monika
Platz 3 der beliebtesten Fotomotive: Torsten und Monika ohne BMW
Sollten wir wieder mal nach Iran reisen, werden wir vorher einen Stapel Autogrammkarten drucken lassen und diese an die Iraner verteilen.
Iranische Polizei – Teil 2: Wir hatten inzwischen wieder Kontakt zu der iranischen Polizei. Auf unseren Fahrten werden wir mehrmals von der Polizei herausgewunken. Zunaechst durchzuckt uns immer ein banges Gefuehl: Sind wir zu schnell gefahren? Haben wir etwa aus Versehen iranische Flugabwehrraketen fotografiert? Doch die Panik ist umsonst. Die Polizisten sehen sich nur die BMW an und halten gerne ein Schwaetzchen mit uns.
Iranische Polizei – Teil 3: Iranische Autobahnen sind fuer Motorraeder nicht zugelassen. Das hat Torsten aber nicht davon abgehalten, es trotzdem zu versuchen. Prompt werden wir an der Auffahrt von der Polizei herausgewunken. Aber nachdem sich die Polizeibeamten von der Leistungsfaehigkeit der BMW in den Fahrzeugpapieren ueberzeugt haben, duerfen wir ganz offiziell die Autobahn benutzen.
Iran und dessen Waehrung: Offiziell ist die iranische Waehrung Rial. Alle Banknoten und Muenzen sind in Rial ausgestellt. Inoffiziell werden alle Preise aber in Tuman angegeben. 1 Tuman entspricht 10 Rial. Fragt man im Laden nach dem Preis fuer eine Flasche Wasser, so bekommt man “400″ zur Antwort. Gemeint sind aber eigentlich 4000 Rial. Wenn man dann noch an einen Iraner geraet, der das System selbst nicht richtig durchblickt, sind putzige Missverstaednisse oft vorprogrammiert. Ganz schwierig wird es dann aber, wenn man nach dem Preis in US Dollar fragt. Da kann es dann schon mal passieren, dass der Rezeptionist im Hotel darauf besteht, dass das 2 Sterne-Hotelzimmer mit Blick auf die Strasse 550 US Dollar kostet.
Iran und Bundesliga: Auch fuer die Bundesliga interessiert man sich in Iran. Die Ergebnisse werden regelmaessig im Fernsehen ausgestrahlt. Aber leider nur in Farsi.
Und hier wieder eine Episode aus unserer Rubrik ”Andere Laender - andere Sitten”: Wir fahren bei heissen Temperaturen durch das Alborzgebirge. Eine Erfrischung ist bitter notwendig. Wie gut, dass am Strassenrand Obsthaendler ihr Obst verkaufen. Aber nicht nur Obst: Es gibt auch Flaschen mit leckerem rotem und weissem Traubensaft zu kaufen. Torsten haelt an und bittet den Haendler um eine Kostprobe. Der Haendler zoegert nicht lange, fuellt die Fluessigkeit in die Verschlusskappe der Flasche und reicht Torsten die Kostprobe. Ich bin etwas erstaunt ueber die kleine Probiermenge, denn die Iraner habe ich bisher als aeusserst grosszuegig kennengelernt. Doch nachdem Torsten die Probe auf einen Schluck genommen hat, wird klar, warum: Torsten schnappt nur noch nach Luft und bekommt einen Hustenanfall. Die Umstehenden brechen in Gelaechter aus. Der Haendler verkauft keinen Saft, sondern Essig.
Wie geht unsere Reise weiter? Die naechsten Tage werden anstrengend fuer uns werden. Wir werden zunaechst die Wueste Lut durchqueren, anschliessend die Grenze nach Pakistan passieren. Pakistan werden wir auf dem schnellsten Wege durchfahren und uns dann wieder aus Indien melden. Das kann jetzt allerdings ein paar Tage dauern, also nicht ungeduldig werden.
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